Ultrafeinstaub

Ultrafeinstaub ist das unbekannte Umweltgift. Über die Gesundheitsrisiken durch die mikrofeinen Partikel, deren Durchmesser tausendmal kleiner ist als der eines menschlichen Haares, ist noch sehr wenig bekannt. Erste Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Ultrafeinstäube sehr gefährlich sind. Die Rußpartikel sind so winzig, dass sie von der Lunge direkt in die Blutbahn gelangen können. Dass diese Partikel in Bayern nun von amtlicher Seite gemessen werden – auch im Umfeld des Flughafens München – und damit mehr Daten für die medizinische Forschung zur Verfügung stehen, ist ein riesiger Erfolg für den Landtagsabgeordneten Benno Zierer und die Freien Wähler.

Gröbere Feinstaub-Partikel mit 10 und 2,5 Mikrometer Durchmesser wurden schon lange durch die Messungen im Rahmen des lufthygienischen Überwachungssystems Bayern erfasst. Beim sogenannten Ultrafeinstaub handelt es sich um Teilchen, die kleiner sind als 0,1 Mikrometer. Um die Größenverhältnisse einordnen zu können, muss man sich ein ultrafeines Teilchen als Stecknadelkopf vorstellen, ein PM10-Partikel ist dagegen so groß wie ein Fußball. Die Teilchen haben so wenig Masse, dass man sie nicht wiegen, sondern nur zählen kann.

Dafür gesorgt, dass öffentlich über dieses unbekannte Umweltgift diskutiert wurde, hat der Bürgerverein Freising gesorgt. 2015 begannen Mitglieder der Bürgerinitiative mit einem eigens dafür angeschafften Gerät, die UFP-Konzentration in der Umgebung des Airports zu messen. Die Ergebnisse waren alarmierend. Bis zu 75000 Partikel pro Kubikzentimeter Luft wurden gezählt, ein Vielfaches der normalen Hintergrundbelastung. Das deckt sich mit wissenschaftlichen Studien die an anderen Flughäfen durchgeführt wurden, z.B. in Los Angeles oder Amsterdam. „Ein Schwerpunkt der Erforschung von ultrafeinen Partikeln muss deshalb auf dem Flugverkehr als Verursacher liegen“, lautete Zierers Forderung von Anfang an.

Im Dezember 2019 kam auf Vermittlung von MdL Benno Zierer ein Gespräch von Vertretern des Bürgervereins Freising mit Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger zustande, bei dem auch das Thema Ultrafeinstaub besprochen wurde. Das Bild zeigt (v.l.) Benno Zierer, Vorsitzender Reinhard Kendlbacher und Schriftführer Prof. Oswald Rottmann vom BV Freising und Hubert Aiwanger.

Der Freisinger Abgeordnete brachte das Thema ultrafeine Partikel 2017 auf die Agenda des Landtags. Zunächst mit einer Expertenanhörung im Umweltausschuss, dann mit weiteren Anträgen. Ziel war eine bayerische Monitoring-Strategie mit Messungen der UFP-Belastung an verschiedenen Orten. Diese sollten Daten für die epidemiologische Forschung liefern. Denn eine Haupterkenntnis der Expertenanhörung war: Es ist noch wenig über die gesundheitlichen Auswirkungen der ultrafeinen Partikel bekannt, weil es zu wenig Messdaten gibt. Und erst wenn die Kenntnislage verbessert wird, kann entschieden werden, ob Grenzwerte nötig sind und wie diese festgelegt werden müssen.

In der vergangenen Legislaturperiode des Landtags waren alle Vorstöße gescheitert, eine bayerische Monitoring-Strategie für Ultrafeinstaub zu etablieren. Das änderte sich mit der Regierungsbeteiligung der Freien Wähler ab 2018. Das FW-geführte Umweltministerium stellte Mittel für die Beschaffung der komplexen Messgeräte im Haushalt bereit. Zudem wurde das Landesamt für Umwelt beauftragt, in einem auf drei Jahre angelegten Projekt die Zusammensetzung der ultrafeinen Partikel zu erforschen.

Im Dezember verabschiedete der Umweltausschuss des Landtags einen gemeinsamen Antrag von Freien Wählern und CSU, mit dem die Staatsregierung aufgefordert wurde, UFP-Messungen im Flughafen-Umfeld zu prüfen. „Damit haben wir den politischen Auftrag gegeben, der jetzt umgesetzt wird“ erklärt Zierer. Das Umweltministerium hat den Auftrag für ein Forschungsprojekt an Wissenschaftler der Uni Bayreuth vergeben. Im Rahmen dieses Projektes werden zwei stationäre Messpunkte in Freising und Hallbergmoos errichtet, an denen die UFP-Belastung überwacht wird. Außerdem arbeitet das Forscherteam an einer Methode zur chemischen Analyse der Partikel.

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